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Archiv aktueller Beiträge aus dem Jahr 2014

17.10.2014 - Richtige Krebs-Vorsorge für alle

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2014 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

Miriam Fehlbus STADE. Der Prostatakrebs beim Mann und der Brustkrebs bei der Frau belegen in den Statistiken der häufigsten Krebserkrankungen Spitzenplätze. Beide gelten als heilbar, wenn sie früh genug erkannt werden. Entscheidend dafür ist der rechtzeitige Gang zum Arzt. Doch gerade Männer gelten als Vorsorgemuffel. Und auch viele „Mehrheimische“, wie sich Menschen mit Migrationshintergrund selbst bezeichnen, nehmen die Vorsorgeangebote des deutschen Gesundheitssystems nicht häufig wahr. Einige Ärzte, wie jetzt vom Brustzentrum Stade-Buxtehude und vom Prostatazentrum Elbe-Weser informieren deshalb in Zusammenarbeit mit Vereinen in lockerer Runde.

Pflege- und Beratungsleiterin Bärbel Reitmann, der Koordinator des Brustzentrums Dr. Thilo Töllner, die Stader Oberärztin Andrea Tölke sowie Dr. Sven Laabs, Leiter des Prostatazentrums (von links).

Der Kreis der Besucher könnte auf den ersten Blick größer sein. 20 Zuhörer haben sich im Vortragssaal der Klinik Dr. Hancken in Stade eingefunden. Aber die meisten Gäste sind Mediatoren, die neben Deutsch weitere Sprachen beherrschen und ihre Landsleute nach den Vorträgen in Einzelgesprächen für die Gesundheitsförderung sensibilisieren wollen. „Migranten für Migranten“ heißt das Gesundheitsprojekt des Ethno-Medizinischen Zentrums und des Landkreises Stade. Eingeladen zu dem mehrstündigen Vortrag haben Stefanie Kelzenberg-Lonsdorfer von der Krebsnachsorge Stade und der interkulturelle Verein Zinkko.

Stefanie Kelzenberg-Lonsdorfer und Iyamide Mahdi vom Verein ZinkKo


Stefanie Kelzenberg-Lonsdorfer und Iyamide Mahdi vom Verein ZinkKo

Dr. Thilo Töllner und Andrea Tölke vom Brustzentrum berichten nacheinander. Töllner legt den Schwerpunkt auf die Vorsorge und das Screening-Programm. Sichere Methode zur Früherkennung sei die Mammographie – eine Röntgenuntersuchung, bei der zwei Ärzte unabhängig voneinander die Bilder begutachten. Entweder die Frauen kommen nach einem Tastbefund mit konkreten Beschwerden oder wegen einer erblichen Vorbelastung (siehe Kasten). Oder sie fallen in das Screening-Programm, bei dem im Abstand von zwei Jahren alle 50 bis 69 Jahre alten Frauen eingeladen werden.


Diese Einladungen laufen anonymisiert über das Bremer Gesundheitsamt. Wer das Angebot nicht annehmen möchte, macht keinen Termin ab. Ansonsten gibt es die Möglichkeit, sich wohnortnah im Mammographie-Mobil untersuchen zu lassen. Die Ärzte sind dabei nicht mit vor Ort, sondern bekommen die Röntgenbilder übermittelt. Wer nicht in die besonders betroffene Altersgruppe fällt, die zum Screening eingeladen wird, und auch nicht zu einer anderen Risikogruppe gehört, bekommt die Mammographie nicht von seiner Krankenkasse bezahlt. Sie muss dann als individuelle Gesundlheitsleistung selbst bezahlt werden. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass es bei einer begründeten Vermutung, auch eine Überweisung gibt.


Ebenso wird beim Gentest verfahren. Bei bestimmten Genmutationen gibt es eine 50- bis 80-prozentiges lebenslanges Risiko, am Brustkrebs zu erkranken. Dafür gibt es aber klar festgelegte und wissenschaftlich überprüfte Kriterien, wie Andrea Tölke, Oberärztin der Stader Frauenklinik im Elbe Klinikum, betont. Wer kein Kriterium erfüllt, bei dem liege die seltene Mutation auch nicht vor.


Tölke stellt konkrete Behandlungsprogramme beim Brustkrebs vor. Oft ist nach erfolgter Diagnose die Operation das erste Mittel. Zunächst wird der Tumor entfern, gleichzeitig wird der nächstgelegene Lymphknoten entnommen und das Gewebe untersucht. „Ist dieser gesund, ist das der Beweis, dass der Krebs noch nicht gestreut hat“, sagt Tölke. Auch wichtig: Ein gutartiger Tumor bleibt immer gutartig.


Jedes Jahr erkranken deutschlandweit etwa 70 000 Frauen neu an Brustkrebs, 17 000 sterben jährlich daran. Eine ähnliche Rate gibt es beim Prostatakrebs beim Mann. Hier sind es 60 000 Neuerkrankungen pro Jahr mit 12 000 krebsbedingten Todesfällen. Auch hier sind vor allem Ältere betroffen. Etwa 40 Prozent der Männer zwischen 60 und 70 Jahren haben ohne ihr Wissen ein Prostatakarzinom. Das Problem: Es gebe keine Warnsymptome, und das Abtasten der Prostata als alleinige Vorsorge sei unzureichend, so Dr. Sven Laabs, Leiter des Prostatazentrums. Mit der Bestimmung des PSA-Werts gilt die Vorsorge als zuverlässiger. Doch im Rahmen der Früherkennung zahlt die gesetzliche Krankenkasse dafür nicht. Etwa 25 Euro müssten selbst getragen werden. Bei Männern ab 45 Jahren zahlen die Kassen ein jährliches Abtasten der Prostata. Nur 14 Prozent nutzten die Vorsorge. Dabei gebe es über 90 Prozent Heilungschancen, wenn der Tumor frühzeitig entdeckt wird, so Laabs.

Risikokriterien Brustkrebs

Familiärer Brustkrebs (erbliche Vorbelastung) gilt als wahrscheinlich, wenn:

  • eine Frau in der Familie unter 36 Jahren an Brustkrebs erkrankt ist
  • es drei Frauen mit Brustkrebserkrankungen gibt
  • es zwei mit Brustkrebs, eine unter 51 Jahre gibt
  • es eine Frau mit Brustkrebserkrankung und eine mit Eierstockkrebserkrankung gibt
  • es eine Frau mit Brust- und Eierstockkrebs in der Famillie gibt
  • es zwei Frauen mit Eierstockkrebs in der Familie gibt
  • es eine Frau mit Eierstockkrebs unter 41 Jahren gibt
  • es eine Frau mit beidseitiger Brustkrebserkrankung unter 51 Jahre gibt
  • es einen Mann und zusätzlich eine Brust- oder Eierstockkrebserkrankung gibt (etwa alle zwei Jahre gibt es im Stader Elbe Klinikum einen Mann mit Brustkrebs).

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27.09.2014 - Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

STADE. Die Ärzte Dr. med. Christoph Hancken, Dr. med. Kersten Mückner und Dr. med. Thomas Molwitz im Gespräch mit TAGEBLATT-Redakteurin Miriam Fehlbus.

Dr. Kersten Mückner, Dr. Christoph Hancken und Dr. Thomas Molwitz (von links) ließen sich im TAGEBLATT-Interview auf eine gedankliche Reise in die Zukunft der Medizintechnik ein. Auf dem Tisch links liegt ein Ultraschallgerät, das in jede Arztkitteltasche passt. Foto Fehlbus

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr ... So beginnt die legendäre Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“, deren Handlung im 23. Jahrhundert angesiedelt ist. Der Arzt des Raumschiffs in den ersten Staffeln heißt Dr. Leonard McCoy, genannt Pille. Utopische Geräte, die der Doktor benutzt, scheinen heute in der Klinik Dr. Hancken in Stade zu stehen. Einiges aus dem damaligen Zukunftsbild gibt es inzwischen wirklich, wie Dr. med. Christoph Hancken, Dr. med. Kersten Mückner und Dr. med. Thomas Molwitz im Gespräch mit TAGEBLATT-Redakteurin Miriam Fehlbus aufzeigen und auch einen Blick in die Zukunft der Medizin wagen.

Das komplette Interview kann hier ⬇︎ heruntergeladen werden.

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09.08.2014 - STADER TAGEBLATT öffnet Türen

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2014 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

Wie ein Tumor hell leuchtet

STADER TAGEBLATT öffnet Türen: 20 Leser nehmen die Medizin-Technik in der Klinik Hancken unter die Lupe.

VON MIRIAM FEHLBUS

STADE. Als Klinik-Mitarbeiterin Peggy Zimmermann die Tür links neben dem futuristisch anmutenden Gerät für Strahlentherapie öffnet, bekommen die 20 TAGEBLATT- Leser endgültig einen Einblick, den nicht jeder erhält. Zwei Drittel des Geräts befinden sich für die Patienten unsichtbar auf der anderen Seite der Wand. Glänzendes Silber und Lüftungsgitter füllen den Raum. 1,5 Millionen Euro kostet das Gerät, erklärt Dr. Christoph Hancken als Gastgeber der Aktion „TAGEBLATT öffnet Türen“ in der Stader Klinik Dr. Hancken – ohne Einbau und die weiteren Kosten.

Dr. Christoph Hancken (links), Gastgeben bei "TAGEBLATT öffnet Türen", erklärt, wie moderne Röntgengeräte funktionieren. Rechts hört Albert Reeh (100), ältester Teilnehmer der Aktion, gespannt zu.

Zwei Stunden lang begeben sich die Leserinnen und Leser, die bei der Telefonanmeldung einen der begehrten Plätze ergattern konnten, auf eine Reise durch die moderne Medizin. Manchmal gibt es sogar einen Blick in die Zukunft, als etwa Dr. Christian Saager, Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie, anschaulich über die „Thrombektomie“ bei Schlaganfallpatienten referiert. Mit einem Katheter gehe der Arzt dabei direkt an den Pfropfen, der das Gefäß im Gehirn blockiert, erklärt er. Dann werde mit einem Instrument, das wie ein Stent funktioniere, das Gerinnsel wie mit einem Korkenzieher herausgezogen. „Das wird die Zukunft der Schlaganfall-Therapie werden“, ist sich Saager sicher.

Dr. Christian Saager erklärt die Thrombektomie

Ebenfalls ein bisschen wie aus einem Science-Fiction-Film sehen die Bilder auf dem Computer aus, die das sogenannte PET-CT liefert. Dieses Gerät besteht aus einem Computertomographen mit weiter Öffnung und einem Positronen-Emissions-Tomographen. Es hat also zwei der typischen Ringe, in die der Patient hineingeschoben wird. Auf dem Bildschirm wird aus vielen Daten ein dreidimensionales Bild zusammengesetzt, in dem es an einer Stelle sichtbar hell leuchtet. Hierbei handelt es sich um einen Tumor, in dem Beispielfall in der Wirbelsäule.

Dr. Thomas Molwitz zeigt den leuchtenden Tumor

Dr. Thomas Molwitz, Facharzt für Nuklearmedizin, erklärt, warum gerade die Krebszellen auf dem Bildschirm so anders aussehen. „Krebszellen sind gierig auf Zucker“, schildert Molwitz den neugierig lauschenden medizinischen Laien, diese Zellen würden Zucker enorm schnell aufnehmen, schneller als gesunde Zellen. Das mache sich die Medizin zunutze. Mit einer Spritze werden beim Patienten besondere Zuckermoleküle in den Blutkreislauf gebracht. Diese sind schwach radioaktiv markiert. Bei der Wechselwirkung eines Positrons mit einem Elektron im Körper werden nun zwei Photonen mit hoher Energie im Winkel von 180 Grad voneinander weggeschleudert. Das PET-Gerät kann den „Aufprall“ der Photonen messen. Angesichts der Zeit, in der sie die Strecke in dem 180-Grad-Winkel zurückgelegt haben, lässt sich ihr Ursprungsort genau zurückverfolgen. Auf dem Computerbildschirm leuchtet die Stelle auf. Der älteste Teilnehmer an der TAGEBLATT-Aktion wurde geboren, als die ersten Röntgenröhren die Kliniken der Welt eroberten – damals mit einer Strahlung, die weit höher als heutige Grenzwerte war: Albert Reeh aus Buxtehude, Jahrgang 1914, feierte im Januar seinen 100. Geburtstag und freute sich, die Klinik als Gast zu entdecken und fit wieder zu verlassen.

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28.06.2014 - Screening-Kritik ist völlig überzogen

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2014 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

LANDKREIS. Die Medizin-Kolumne von Dr. Thilo Töllner

Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Gesundheitswesens wurden 2006 qualitätsgesicherte Reihenuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs flächendeckend eingeführt.

Zu den besonderen Merkmalen des Mammographiescreening-Programms gehören die Ausstattung der teilnehmenden Praxen mit modernen digitalen und strahlungsarmen Röntgengeräten, die Pflicht zur jährlichen Weiterbildung für die beteiligten Radiologen, die Doppelbefundung – jede Aufnahme muss von zwei zugelassenen Fachärzten unabhängig von einander begutachtet werden – und die ständige Kontrolle der Befunde und Abläufe. Mehr Sicherheit geht nicht. Auch die Ergebnisse sprechen für sich: Bundesweit nehmen rund 60 Prozent, in der Elbe-Weser-Region 65 Prozent der eingeladenen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren das Angebot dieser qualitätsgesicherten Untersuchung an.

Nach acht Jahren zeigen sich die positiven Ergebnisse des Screening: Wenn die Frauen regelmäßig am Screening teilnehmen, wird bei fünf bis sechs von 1000 Frauen ein bösartiger Tumor entdeckt, 80 Prozent dieser Veränderungen sind kleiner als zwei Zentimeter. 78 Prozent dieser im Screening entdeckten Karzinome haben sich noch nicht in die Lymphknoten ausgebreitet; sie sind gut behandelbar und die Frauen haben beste Aussichten auf völlige Heilung und den Erhalt ihrer Lebensqualität.

Trotz dieser Erfolge ebbt die Kritik am Screening-Programm nicht ab. Zur Zeit geht es um Überdiagnose und Übertherapie. Hinter diesen Begriffen steht der Vorwurf, dass bei den Reihenuntersuchungen auch kleine Tumore entdeckt und behandelt werden, die niemals das Leben der Patientin gefährdet hätten.

Diese Kritik kommt häufig von Medizinökonomen und aus dem Bereich der Statistik. Aus dieser Perspektive betrachtet, stimmt ist es, dass einige dieser kleinen Tumore nicht schnell wachsen und die betroffene Frau nicht an einem zu spät behandelten Brustkrebs stirbt – sondern vorher an einer anderen Krankheit.

Ähnliches gilt für bestimmte Veränderungen in der Brust, die noch nicht als eindeutig bösartig eingestuft werden können, aber die Möglichkeit, dass sie sich zu einem aggressiven Krebs entwickeln, nicht ausgeschlossen werden kann. Statistisch gesehen bleiben im Laufe mehrerer Jahre etwa 20 Prozent dieser potenziell bösartigen Vorstufen harmlos.

Wenn also bei fünf Frauen solche Vorstufen festgestellt werden, hat eine Frau das Glück, nicht zu erkranken. Nur kann in diesem Stadium niemand vorhersagen, welche der fünf die Glückliche ist.

Grundsätzlich gilt: Wir diagnostizieren keinen Krebs, den es nicht gibt. Wenn wir in der Mammographie Krebsvorstufen finden und sie durch zusätzliche Untersuchungen und Gewebeproben bestätigt werden, führen wir ausführliche Gespräche mit den Patientinnen, in denen wir ihnen die Diagnose und alle Alternativen genau erklären.

Die Entscheidung, ob operiert oder abgewartet werden soll, trifft die Patientin. Aus Erfahrung wissen wir, dass die meisten Frauen mit dieser Ungewissheit nicht leben mögen und eine Operation und Behandlung dem Zuwarten vorziehen. Dank der sehr frühen Diagnose durch das qualitätsgesicherte Screening-Programm können sie so einer Brustkrebserkrankung vorbeugen und ihre Lebensqualität verbessern.

Die Häufigkeit, dass diese Krebsvorstufen auftreten, liegt bei 0,1 Prozent. Die Beachtung, die diese Sonderfälle zur Zeit von den Screening-Kritikern in den Medien erfahren, ist völlig überzogen – im Jargon der Kritiker: eine Überdiagnose. Dass sie auch noch zur Generalabrechnung mit dem Screening-Programm missbraucht werden, könnte man in diesem Sinne auch als mediale Übertherapie bezeichnen.

Dr. Thilo Töllner ist Facharzt in der Klinik Dr. Hancken und Koordinator des Brustzentrums Stade-Buxtehude.

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22.05.2014 - Skandal verunsichert Frauen

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2014 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

LANDKREIS. Der "Pfusch beim Krebs-Test" in Essen hat Auswirkungen. Ein Gespräch mit dem Arzt vom Mammografie-Screening-Programm Elbe-Weser.

Dr. Thilo Töllner, programmverantwortlicher Arzt im Mammographie-Screening-Programm Elbe-Weser, zeigt auf eine Affälligkeit auf dem Bild einer Mammographie.
Foto Fehlbus

Die Kontrollmechanismen lassen einen Fall wie den kürzlich aus der Stadt Essen gemeldeten eigentlich nicht zu. Dass es jetzt eine Diskussion über „Pfusch beim Krebs-Test“ gibt, wie auch das TAGEBLATT titelte, liegt an Fehlern, die auf vielen Ebenen gemacht wurden. So wurde dem Radiologen die Genehmigung, die kassenärztlichen Mammografie-Screenings durchzuführen, entzogen, aber dann ohne weitere Prüfung zurückgegeben. Das alles wäre im Kreis Stade nicht möglich, ist sich Dr. Thilo Töllner, programmverantwortlicher Arzt im Mammografie-Screening-Programm Elbe-Weser, sicher.

„Was da in Nordrhein-Westfalen passiert ist, ist ein Einzelfall, aber die Verunsicherung ist leider jetzt groß“, sagt Töllner, Facharzt in der Klinik Dr. Hancken und Koordinator des Brustzentrums Stade-Buxtehude. Dabei könne der Krebs heute dank der Screening genannten organisierten Mammografie- Reihenuntersuchungen viel früher entdeckt und deshalb weniger aggressiv behandelt werden. Trotzdem sterben immer noch mehr als 15 000 Frauen jedes Jahr in Deutschland an Brustkrebs. „Würden alle an einem Ort wohnen, dann wäre eine Stadt wie Stade in drei Jahren so gut wie ausgestorben“, sagt Töllner.

Das mittlere Erkankungsalter an Brustkrebs liege bei 62 Jahren, erklärt der Mediziner. Die Untersuchung an speziellen Röntgengeräten als Testreihe setzt bei Frauen erst ab einem Alter von 50 Jahren ein. Dieses steht stellvertretend für das Ende der Wechseljahre und das Einsetzen der Menopause. Wenn der Körper merke, da kommen keine Kinder mehr, ziehe sich das milchproduzierende Drüsengewebe in der Brust zurück, sagt Töllner. Mit fortschreitendem Alter überwiegen Fett- und Bindegewebe in der Brust, in der Medizinersprache Mamma genannt. Dann zeige die Mammografie deutlich mehr als andere Untersuchungsformen.

Wer allerdings genetisch vorbelastet ist, für den kann bei der Abwägung von Risiken und Nutzen der Röntgenstrahlen ein anderes Ergebnis herauskommen. „Brust- und Eierstockkrebs gehören hier zusammen“, erklärt der Arzt. Wer in der Familie Fälle dieser beiden Krebsarten kennt, sollte schon vor dem Erreichen des 50. Lebensjahres oder der Menopause einen entsprechenden Vorsorgeaufwand in Betracht ziehen, sagt Töllner.

Beim Mammografie-Screening, das seit 2006 im Elbe-Weser-Raum durchgeführt wird, haben sich einige Zahlen in der Statistik herauskristallisiert. So sind pro 1000 Frauen etwa vier an Brustkrebs erkrankt. Von 25 000 Frauen, die jedes Jahr untersucht werden, werden bei 250 bis 270 Biopsien durchgeführt. Dabei wird bei zwei Drittel der Fälle eine Krebsvorstufe oder Krebs gefunden. Auch hierbei hatte es bei dem Arzt in Essen offensichtlich Probleme gegeben. „Es ist natürlich nicht so einfach, dass das Böse rot leuchtet und alles andere grün“, sagt Dr. Töllner, „man braucht Leute, die darauf spezialisiert sind.“ Um das zu gewährleisten, müssten die Ärzte einmal jährlich zur Prüfung. Gezeigt würden ihnen 200 Bilder mit 50 Fällen, die sie herausfinden müssen. „Wer durchfällt, darf nicht weiterarbeiten“, sagt Töllner. Erst wenn die Prüfung erfolgreich absolviert ist, sei die erforderliche Qualifikation erreicht. Hier hatten die Kontrollmechanismen in Essen versagt. Töllner sieht durch solch unprofessionelles Vorgehen vor allem eine Gefahr: Weniger Frauen könnten künftig zur Vorsorge und zum Mammografie-Screening gehen. Das könnte die derzeit sinkende Todesrate beim Brustkrebs mittelfristig wieder ansteigen lassen. Denn: „Wir finden nie 100 Prozent, aber es ist das Beste, was wir haben.“