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Archiv aktueller Beiträge aus dem Jahr 2015

27.06.2015 - Krebs soll kein Todesurteil sein

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2015 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

Ein Professor für die schweren Fälle: Dr. Stefan Frühauf ist neuer Stations-Chefarzt für Onkologie und Palliativmedizin bei Hancken.

Es soll nicht despektierlich klingen, aber es ist schon besser, diesen Mediziner nicht im Dienst zu treffen – Professor Dr. Stefan Frühauf leitet neu die stationäre Abteilung für Hämato-Onkologie und Palliativmedizin der Hancken-Klinik. Wer hier liegt, muss allerdings froh sein, den neuen Chefarzt zu treffen, denn Stefan Frühauf gilt als ausgewiesener Experte in der Krebs-Therapie, der helfen soll, das Leben seiner Patienten zu verlängern.

Professor Dr. Stefan Frühauf ist neuer Chefarzt der stationären Abteilung für Onkologie und Palliativmedizin in der Klinik Dr. Hancken. Foto Stephan

Eine Botschaft des neuen Mediziners: „Wir sind mittlerweile in der Lage, bei Lungenkrebs das Überleben zu verdoppeln.“ Lungenkrebs, Brustkrebs und Darmkrebs sind die weit verbreiteten Erkrankungen in seiner neuen Abteilung. „Bei einer Reihe von früher tödlichen Tumorerkrankungen kann zwar immer noch keine vollständige Heilung, aber ein Stillstand erreicht werden, der den Patienten über Jahre ein fast normales Leben, oft sogar die Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht“, sagt Frühauf, der ein Ziel verfolgt: „Krebs darf kein Todesurteil sein, sondern muss sich zu einer chronischen Erkrankung wandeln.“

Im Laufe der Zeit hätten sich die medikamentösen Behandlungen deutlich verändert: Das Arsenal der Wirkstoffe habe sich dank intensiver Forschung um ein Vielfaches erweitert, neue Ansätze der Behandlung seien entwickelt, die Wirksamkeit gesteigert, die Verträglichkeit der Medikamente verbessert und Nebenwirkungen reduziert worden, sagt Frühauf: „Die medikamentösen Krebstherapien entwickeln sich in einem rasanten Tempo.“


Der 50-jährige Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, internistische Onkologie und Palliativmedizin verfügt über reichlich Erfahrung in diesem Bereich der Tumortherapie: Nach dem Medizinstudium in Heidelberg und am University College in London hat er seine Tätigkeit auf die Behandlung von Tumorpatienten und die klinische Forschung von Krebsmedikamenten ausgerichtet. 1999 – mit 35 Jahren – habilitierte er an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit über Blutstammzelltransplantation. Im Jahr 2005 wurde er zum außerplanmäßigen Professor der Universität Heidelberg ernannt.


An seiner eigenen Laufbahn lässt sich auch der rasante Fortschritt in der Krebstherapie ablesen: Als Frühauf 1999 in der Heidelberger Universitätsklinik zum Oberarzt der Abteilung für autologe Blutstammzelltransplantation ernannt wurde, war die Übertragung von gesundem Knochenmark fremder Spender noch die letzte Rettung für Patienten mit dieser speziellen Form der Leukämie. Zwei Jahre später jedoch kam ein Medikament auf den Markt, das innerhalb weniger Jahre die Behandlung revolutionierte und bei regelmäßiger Einnahme vielen Patienten nicht nur das Überleben sichert, sondern auch ein normales Leben erlaubt.


„Das ist für Patienten, die an dieser speziellen Form der Leukämie erkrankt sind, ein großer Gewinn und Fortschritt.“


Die neuen Therapieansätze sind aber nicht für alle Patienten die Rettung, weil die modernen Krebsmedikamente nicht bei allen Tumoren Wirkung zeigen. Frühauf: „Das heißt beispielsweise, dass wir Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs mit einem neuen Medikament helfen können, aber anderen Patientinnen nicht, weil ihr Krebs auf diese Wirkstoffe nicht anspricht.“ Gerade deshalb sei auf seiner Station auch der Psychologe gefragt: „Es ist mitunter erforderlich, dass wir die Patienten stationär aufnehmen, um ihnen zu helfen, einen besseren Ernährungszustand zu erreichen und sie psychisch zu stabilisieren.“ Warum der Professor, der vor seiner Tätigkeit in Stade als Chefarzt Abteilungen für Hämatologie/Onkologie und Palliativmedizin von Kliniken in Osnabrück und Bad Hersfeld leitete, nach Stade kommt? „Weil ich hier die optimalen Bedingungen habe, um das ganze Spektrum meines Wissens und der Erfahrung anwenden zu können.“


Außerdem hat er sich vorgenommen, den absolvierten Segelschein in der Praxis zu testen. Wenn das Wetter das nicht erlaubt, frönt der 1,90 Meter große Professor einem anderen Hobby: Tanzen.

 

29.01.2015 - "Wir entdecken keinen Krebs, den es nicht gibt"

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2015 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

Karsten Wisser STADE. Durch die Kritik am Mammografie-Screening sind Frauen verunsichert und fragen nach Informationen


Die heftige, oft polemische Medienkritik am Mammografie- Screening-Programm für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahre hat manche Teilnehmerin auch im Landkreis Stade verunsichert. Vor allem der Vorwurf, dass das Screening zu viele falsch-positive Ergebnisse und zu viele Überdiagnosen produziert, irritiert viele potenziellen Teilnehmerinnen.

„Wir erhalten immer wieder Anrufe von Frauen, die wissen wollen, was falsch-positive Diagnosen, Überdiagnosen und Übertherapien heißt“, berichtet Birte Brachmann, die das Screening-Büro Elbe-Weser leitet: „Vor allem bei den 50-bis 51-Jährigen, die zum ersten Mal teilnehmen, ist der Informationsbedarf hoch“.

Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, erklärt Dr. Thilo Töllner, der Programmverantwortliche Arzt des Screening-Bereichs Elbe-Weser: „Ein falsch-positiver Befund oder eine Überdiagnose liegen vor, wenn wir im Fall von Auffälligkeit in der Mammographie durch weitere Nachuntersuchungen feststellen, dass es sich nicht um einen bösartigen Tumor oder eine Vorstufe handelt, sondern um eine harmlose, gutartige Veränderung.“ Diese Abklärungsuntersuchungen müssen im Rahmen des Screening-Programms durchgeführt werden, wenn bei der Befundung der Aufnahmen durch zwei erfahrene Radiologen und nach einer Konferenz mit dem Programmverantwortlichen Arzt ein bösartiger Befund nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

„Mit ‚Übertherapie' bezeichnen Kritiker vor allem die Fälle, in denen eine kleine Tumorvorstufe entfernt oder eine Gewebeprobe im Rahmen der Abklärung entnommen wird, obwohl die potenziell bösartigen Tumorvorstufen das Leben der Frau nie gefährdet hätten“, erklärt Dr. Töllner: „Dieses Argument halte ich für besonders zynisch. Denn nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung kann niemand sicher ausschließen, dass sich diese Vorstufe nicht doch in einigen Monaten oder Jahren zu einem bösartigen Tumor entwickelt. In vier von fünf Fällen entsteht aus der Vorstufe ein Krebs, der nicht oder zu spät behandelt sehr wohl das Leben der betroffenen Frau gefährdet – es sei denn, sie stirbt vorher an einer anderen Krankheit oder durch einen Unfall.“

„Die positiven Ergebnisse des Screenings sind unbestritten“, sagt die Buxtehuder Frauenärztin Dr. Edith Schuler und bestätigt die Resultate internationaler Studien zum Thema Screening, die von einer Risikoreduktion der Brustkrebssterblichkeit um 25 Prozent für alle Frauen und um 40 Prozent für jede Teilnehmerinnen des Screenings ausgehen. Auf Deutschland bezogen heißt das: 73 000 Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs, 17 500 sterben daran. Wenn alle Frauen regelmäßig am Screening-Programm teilnehmen würden, könnten pro Jahr etwa 4500 Frauen gerettet werden, weil ihre Brustkrebserkrankung früher entdeckt wird. Etwa 80 Prozent der im Screening entdeckten Tumore sind kleiner als zwei Zentimeter und 78 Prozent dieser Karzinome haben sich noch nicht in die Lymphknoten ausgebreitet. Sie sind gut behandelbar und die Frauen haben beste Aussichten auf völlige Heilung und den Erhalt ihrer Lebensqualität.


Aus der Sicht von Frauenärzten wie Dr. Schuler ist die Kritik am Screening völlig überzogen. „Wir empfehlen unseren Patientinnen, die zu den Vorsorgeuntersuchungen in unsere Praxis kommen, immer auch am Screening- Programm zur Früherkennung von Brustkrebs teilzunehmen, wenn sie das anspruchsberechtigte Alter von 50 Jahren erreichen. Diese Untersuchungen sind von so hoher Qualität und sicherer als jede andere Methode, die wir Gynäkologen in unseren Praxen anbieten können“, sagt Dr. Schuler. Auch sie muss immer wieder Fragen beantworten und ihre Patientinnen über den Nutzen des Programms informieren.


Grundsätzlich gilt im Landkreis Stade, so berichtet Dr. Töllner: „Wir entdecken keinen Krebs, den es nicht gibt“. Um die Untersuchung noch sicherer und schonender für die Teilnehmerinnen zu machen, wird in den ohnehin strahlungsarmen digitalen Mammographie-Geräten der MVZ Klinik Dr. Hancken in Stade, Buxtehude und im Mammobil die neueste Technik installiert, dadurch kann die Strahlendosis um weitere 30 Prozent reduziert werden.


Das Mammobil steht noch bis 9. Februar 2015 auf dem Parkplatz des Elbe Klinikums Buxtehude. Am 12. Februar beginnen die Screening-Untersuchungen in Apensen. Bis 26. Februar bleibt das Mammobil dort in der Buxtehuder Straße 5.

Schweizer Rechenspiele

Vor allem die in vielen deutschen Medien publizierte Entscheidung der Schweizer Expertenkommission, im Alpenland ein Brustkrebs-Screening-Programm nicht einzuführen, hat auch hierzulande die Einstellung der Screening- Teilnehmerinnen beeinflusst. Berichtet wurde die Entscheidung, aber nicht, wie sie zu Stande gekommen ist. Das Swiss Medical Board hat die Daten aus Studien über Screening-Programme, die in anderen Ländern schon seit mehreren Jahrzehnten laufen, genommen. Daraus ergibt sich, dass die Durchführung eines systematischen Screenings zu einer relativen Risiko- Reduktion der Brustkrebssterblichkeit für alle Frauen um 25 Prozent, für die regelmäßig teilnehmenden Frauen selbst um 40 Prozent führt.


Dann allerdings haben die Schweizer die unbestrittenen Ergebnisse mit einem „Nutzwert“ gewichtet. Dieser Nutzwert soll unter anderem die Beeinträchtigung der Lebensqualität von Screening-Teilnehmerinnen, die beispielsweise zur Nachuntersuchung bei Auffälligkeiten einbestellt werden, abbilden.


Dabei wurde willkürlich angenommen, dass Frauen, die einen positiven Befund aus den Mammographien erhalten haben, der durch die Nachuntersuchungen entkräftet werden wird, sich also als „falsch“ herausstellt, sechs Monate unter dieser Verunsicherung leiden. Dadurch wird ihre Lebensqualität im Vergleich zu gesunden Frauen, die nicht am Screening teilnehmen, etwas, um 0,1 Punkte, beeinträchtigt. Dann wurde dieses ziemlich willkürliche Ergebnis noch den Kosten einer Screening-Untersuchung gegenübergestellt und schon erhielten die Experten ein negatives Kosten-Wirksamkeits-Ergebnis und damit einen Grund das Screening-Programm abzulehnen.


Hätten sich die Experten an realistische „Unsicherheitszeiträume“ von zwei Tagen bzw. maximal zehn Tagen im Fall einer Nachuntersuchung mit Biopsie gehalten, wäre das Ergebnis ihrer Untersuchungen deutlich positiv ausgefallen. Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat eine Kosten-Nutzen-Bewertung anhand dieser fragwürdigen Nutzwertfaktoren abgelehnt.


Die Expertenkommissionen, die die Wirksamkeit der Screening-Programme in den Niederlanden und in Großbritannien bewertet haben, sprachen sich eindeutig für die Fortführung des Brustkrebs-Screenings aus – auf willkürlich gewählte Annahmen zur Beeinträchtigung von Lebensqualität durch Unsicherheit wurde dort verzichtet.

13.01.2015 - Zwei neue Chefs in der Strahlentherapie

Pressebericht aus dem Stader Tageblatt:
© 2015 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

Klinik Hancken: Zwei neue Chefs an der Spitze der Strahlentherapie

Der neue Hancken-Chefarzt Dr. Markus Herrmann (rechts) und sein neuer Stellvertreter Dr. Joachim Bredée.

Wolfgang Stephan LANDKREIS. Zwei baugleiche Linearbe-schleuniger sind das technische Herzstück – jetzt kommt die personelle Erneuerung: Die Strahlentherapie der Klinik Hancken ist seit Jahresanfang unter neuer Leitung. Der 38-jährige Dr. Markus Herrmann hat die hoch technisierte Klinik übernommen. Dass er von der Uniklinik Göttingen kommt, ist nicht ohne Bedeutung. Herrmann: "Ich war überrascht, als ich erfuhr, dass in Stade alles therapiert werden kann, was auch an den großen Unikliniken angeboten wird."

An der Strahlentherapie lässt sich ein Wandel in der Klinik Hancken dokumentieren, denn 1400 Patienten wurden im vergangenen Jahr in der hochmodernen Abteilung bestrahlt, mehr als die Hälfte nicht wegen Tumoren, sondern wegen gutartiger Erkrankungen – hauptsächlich bei den durch Verschleiß hervorgerufenen Gelenkerkrankungen.


Fersensporn und Tennisellenbogen sind zwei Beispiele von Beschwerden, die zunehmend bestrahlt werden, auch Arthrose/Arthritis lässt sich nach Angaben der Mediziner mit guten Heilungschancen bestrahlen.


Mit dem neuen Chefarzt Dr. Markus Herrmann, der bis zu seinem Wechsel nach Stade Oberarzt der Abteilung für Strahlentherapie und Radioonkologie der Georg August Universität Göttingen war, ist auch ein neuer Stellvertreter gekommen: Dr. Joachim Bredée (55), ein international erfahrener Strahlentherapeut, der zuletzt am Strahlentherapiezentrum in Coburg gearbeitet hat. Der in Mexiko geborene Mediziner spricht sechs Sprachen.

Die beiden neuen Ärzte ersetzen die in den Ruhestand gegangenen Charlotte Thiel und Joachim Göbel. Klinik-Chef Christoph Hancken über seine beiden neuen Chefs: „Was nützt die modernste Technik der Strahlentherapie, wenn nicht die besten Piloten vorne sitzen.“


Weil die Radiologie insgesamt zu den Bereichen der Medizin gehört, die in den vergangenen Jahren den größten technologischen Fortschritt gemacht haben, ist die weitere Entwicklung bereits vorgezeichnet.


Große Bedeutung werden nach Ansicht von Dr. Herrmann künftig die stereotaktischen Verfahren erhalten. Darunter verstehen die Strahlentherapeuten das weite Feld der Radio-Chirurgie, bei dem sozusagen präzise hoch dosierte Strahlen das Skalpell ersetzen und der Tumor mit Strahlen vernichtet wird.


Bisher werden vor allem Hirntumore mit diesem Verfahren behandelt, doch auch Karzinome im Körper können heute mit Stereotaxie sicher entfernt werden, sagt Dr. Herrmann, der die Spezifikation der Strahlentherapie so beschreibt: „Besser treffen, mehr schonen – höhere Dosen anwenden und bessere Heilungschancen erzielen.“


Dazu gehört die IMRT, die „intensitätsmodulierte Radiotherapie“, bei der die Dosis während der Behandlung so gesteuert werden kann, dass die Strahlen genau den Tumor treffen und das umliegende Gewebe weitgehend geschont wird.


Zudem können mit den Linearbeschleunigern der Hancken Klinik die neuesten Versionen der Rotationsbestrahlungen angewendet werden. Dabei kreist das Bestrahlungsgerät um den Patienten, und die Dosis wird dabei so moduliert, dass die Strahlen nur auf den Tumor fokussiert werden.


Aber auch durch die Atmung oder Verdauung verursachte Bewegungen oder Veränderungen des Tumors während der Dauer einer Strahlenbehandlung, die sich häufig über mehrere Wochen erstreckt, können durch den IGRT-Modus (Image-Guided Radiotherapy) – die bildgesteuerte Bestrahlung – genau berücksichtigt werden. Dr. Bredée: „Damit können wir sicherstellen, dass immer nur Tumorgewebe behandelt wird.“


Zu den Schwerpunkten von Dr. Herrmann und seinem Stellvertreter Dr. Bredée gehören aber auch die so genannten Brachytherapien wie etwa die Seed- Implantation bei Prostata-Krebs, bei der in Zusammenarbeit mit Urologen kleinste radioaktive Stifte in die Prostata eingesetzt werden, die das Tumorgewebe sozusagen von innen vernichten.


Die Strahlentherapie ist grundsätzlich ein elementarer Bestandteil der Krebsbehandlung. Sie kann als alleinige Therapie, in Kombination mit einer Chemotherapie sowie als Vor- oder Nachbehandlung einer Operation stattfinden. Die meisten Tumore, die bei Hancken behandelt werden, liegen in den Zonen von Brust, Prostata und Darm.


Insgesamt wurden in der Klinik Hancken in den vergangenen zwei Jahren in Stade 65 000 und in Buxtehude 28 000 Patienten gezählt. Die Zahlen sind relativ konstant.