Sind wir ehrlich: Sich als Patient der Klinik Hancken zu outen,
eignet sich nicht unbedingt für den Einstieg in eine anregende
Konversation. Lieber nicht nachfragen. "Ich muss zu Hancken" - wer
denkt da schon an die Vorsorge oder an die Kernspintomographie im
Knie oder der Bandscheiben?
"Ich weiß, dass wir als Krebsklinik gelten, was natürlich seine
Berechtigung hat, aber auch längst nicht mehr stimmt", sagt der
Mann, der in der dritten Generation aus einer Spezialklinik, nach
eigenen Worten "ein mittelständisches Unternehmen" geschaffen hat
- eine Untertreibung, die typisch ist für den 53-jährigen
Radiologen. In dem "mittelständischen Unternehmen" werden
jährlich 100 000 Patienten betreut und wird ein Umsatz von 25
Millionen Euro generiert - mit Standorten in Buxtehude, Cuxhaven,
Bremervörde, Zeven und Lillienthal. Alle vereint in einer GmbH im
Familienbesitz der Hanckens.
Die Tradition ist einer der Werte, die im Schaffen des Christoph
Hancken gepflegt werden. Dass sein Vater Dr. Gerd Hancken mit 84
Jahren nach wie vor jeden Tag in der Klinik ist und Aufgaben
erfüllt, "die ihm die Geschäftsleitung gibt", gehört zu diesem
Geist und der Philosophie der Klinik. Deren Grundstein wurde 1949
gelegt, als Christoph Hanckens Großvater Wilhelm in den Räumen
über seiner Praxis für Röntgen- und Strahlentherapie an der
Harsefelder Straße in Stade eine Acht-Betten-Klinik einrichtete.
Als erster Arzt in Niedersachsen führte Dr. Wilhelm Hancken 1954
die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen mit Isotopen ein. 1962
wurde von Dr. Gerd Hancken, dem Sohn und Nachfolger des
Klinikgründers, das zweite Telekobalt- Bestrahlungsgerät in
Niedersachsen in der Klinik in Stade aufgestellt. 1976 wurde ein
Computertomograph installiert, 1988 ein Magnet-Resonanz-Tomograph -
einer der ersten in Niedersachsen.
Parallel dazu wurde zuerst die Radiologie im damaligen
Kreiskrankenhaus Buxtehude übernommen und später auch die
Radiologie des städtischen Krankenhauses in Stade - aus heutiger
Sicht war dies der Einstieg in die Zukunft mit diversen
Kooperationen und der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen
den Fachärzten in den Kliniken, in den Praxen des benachbarten
Facharztzentrums und der Klinik Dr. Hancken. Das Brustzentrum
Stade-Buxtehude und das Darmzentrum Elbe Weser gelten landesweit
als beispielhaft für die gute Kooperation von Medizinern aus
unterschiedlichen Häusern - schon seit vielen Jahren.
Dass Dr. Christoph Hancken an dieser Entwicklung als Chef der
Klinik seit 1997 einen großen Anteil hat, wissen viele, er selbst
würde es nie so sagen. Die Bescheidenheit ist ausgeprägt in der
Mediziner-Familie.
Aber schon der Wandel in eigener Sache macht die Entwicklung
deutlich: Als Radiologe war der Klinikchef zunächst selbst im
medizinischen Dienst tätig. Doch davon ist er heute weit entfernt.
Das Wort "Klinik-Manager" kommt ihm dennoch nicht schnell über die
Lippen.
Doch wenn dieser Christoph Hancken anlässlich der Einweihung des
neuen Zentrums für Strahlentherapie - eine sieben Millionen
Euro-Investition - von einem "Aufstieg in die erste Liga" spricht,
lässt sich ermessen, was diese Investition bedeutet. Auf rund 500
Quadratmetern Grundfläche und zwei Stockwerken beherbergt der
Neubau neben den Patienten- und Ärztezimmern auch den
"Strahlenbunker", den Raum für strahlentherapeutische Geräte. Die
Bezeichnung kommt nicht von ungefähr, denn um für
höchstmögliche Sicherheit zu sorgen, sind die Wände an manchen
Stellen des Neubaus bis zu 2,8 Meter dick aus speziellem Beton
gebaut. Der Bunker gewährleistet, dass keine Strahlung nach außen
gelangt.
Um Tumore genauestens abzugrenzen und Risikoorgane zu schonen,
werden zur Bestrahlungsplanung in der neuen Einrichtung auch neue
Kernspintomographen eingesetzt. "Die Ausstattung ist weltweit auf
dem modernsten Stand der Technik", sagt der Inhaber und Manager
nicht ohne Stolz. Mit dem neuen Linearbeschleuniger können Tumore
noch gezielter bekämpft und die Nebenwirkungen für die Patienten
verringert werden. Jetzt können sogar kleinste, vereinzelt
auftretende Hirn-Metastasen punktgenau bei maximaler Schonung des
umgebenden Gewebes in Stade behandelt werden.
Im nächsten Jahr wird in einen zweiten Linearbeschleuniger und in
ein PET-CT investiert - "ein großer Fortschritt" sagt Hancken, denn
mit diesem Hightech-Gerät lassen sich auch kleine Tumore oder
Metastasen noch besser und zuverlässiger als mit den bisherigen
Diagnostikgeräten CT oder MRT darstellen - zwei Millionen Euro
werden zusätzlich investiert.
Das wirtschaftliche Risiko sei zu verantworten, sagt der Chef - und
das ist eigentlich auch tragisch, denn die Strahlentherapie wird
vorwiegend bei Krebserkrankungen eingesetzt. Und da gibt es keinen
Mangel an Patienten.
Krebs als Geißel der Menschheit? "Das ist nach wie vor so", sagt
Christoph Hancken. Trotz des medizinischen Fortschrittes nahmen die
Krebserkrankungen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit 1990
um 30 Prozent zu. Bessere Früherkennungsmethoden und die
demographische Entwicklung sind die entscheidenden Faktoren.
"Doch die Diagnose Krebs ist längst kein Todesurteil mehr", wirft
Christoph Hancken ein. Die Überlebensraten bei vielen Krebsarten
sind deutlich angestiegen. Zu verdanken ist dies vor allem einer
breiteren und besseren Vorsorge. Denn je früher ein bösartiger
Tumor erkannt wird, desto größer sind die Chancen, ihn zu heilen.
Der Umkehrschluss ist frappierend: Wer dem Klinikchef Christoph
Hancken im Job begegnet, hat also durchaus Grund zur Freude. Und
bei dieser Betrachtung hatte Christoph Hancken am Freitag auch
allen Grund zum Strahlen.
Dr. Christoph Hancken
03.12.2011 - aus dem WOCHENEND-MAGAZIN des STADER TAGEBLATT
Der Strahlemann
Hancken-Klinik feiert Einweihung eines neuen Zentrums für Strahlentherapie
Artikel aus dem WOCHENEND-MAGAZIN des STADER TAGEBLATT:
© 2011 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG
Eigentlich hat er allen Grund zum Strahlen: Doch ihm diesen Satz
zuzuschreiben, ist nicht ganz unproblematisch, auch wenn Dr.
Christoph Hancken am Freitag einen der großen Tage seines
traditionsreichen Unternehmens erleben durfte - mit der
Sozialministerin Aygül Özkan wurde die Einweihung eines neuen
Zentrums für Strahlentherapie gefeiert. Zweifelsfrei eine
segensreiche Einrichtung, die aber tief im Unterbewusstsein auch
negativ behaftet ist. Die Aussicht, dass Dr. Christoph Hancken den
Krebs in seiner Stader Klinik noch besser bekämpfen kann, möchten
manche am liebsten gar nicht hören. Das Schreckgespenst Krebs soll
in der eigenen Gedankenwelt möglichst keinen Raum haben.
von Wolfgang Stephan

Dr. Christoph Hancken. Foto Stephan
