Dr. Christoph Hancken

03.12.2011 - aus dem WOCHENEND-MAGAZIN des STADER TAGEBLATT

Der Strahlemann

Hancken-Klinik feiert Einweihung eines neuen Zentrums für Strahlentherapie

Artikel aus dem WOCHENEND-MAGAZIN des STADER TAGEBLATT:
© 2011 Zeitungsverlag Krause GmbH & Co. KG

Eigentlich hat er allen Grund zum Strahlen: Doch ihm diesen Satz zuzuschreiben, ist nicht ganz unproblematisch, auch wenn Dr. Christoph Hancken am Freitag einen der großen Tage seines traditionsreichen Unternehmens erleben durfte - mit der Sozialministerin Aygül Özkan wurde die Einweihung eines neuen Zentrums für Strahlentherapie gefeiert. Zweifelsfrei eine segensreiche Einrichtung, die aber tief im Unterbewusstsein auch negativ behaftet ist. Die Aussicht, dass Dr. Christoph Hancken den Krebs in seiner Stader Klinik noch besser bekämpfen kann, möchten manche am liebsten gar nicht hören. Das Schreckgespenst Krebs soll in der eigenen Gedankenwelt möglichst keinen Raum haben.
von Wolfgang Stephan

Dr. Christoph Hancken. Foto Stephan

Dr. Christoph Hancken. Foto Stephan

Sind wir ehrlich: Sich als Patient der Klinik Hancken zu outen, eignet sich nicht unbedingt für den Einstieg in eine anregende Konversation. Lieber nicht nachfragen. "Ich muss zu Hancken" - wer denkt da schon an die Vorsorge oder an die Kernspintomographie im Knie oder der Bandscheiben?

"Ich weiß, dass wir als Krebsklinik gelten, was natürlich seine Berechtigung hat, aber auch längst nicht mehr stimmt", sagt der Mann, der in der dritten Generation aus einer Spezialklinik, nach eigenen Worten "ein mittelständisches Unternehmen" geschaffen hat - eine Untertreibung, die typisch ist für den 53-jährigen Radiologen. In dem "mittelständischen Unternehmen" werden jährlich 100 000 Patienten betreut und wird ein Umsatz von 25 Millionen Euro generiert - mit Standorten in Buxtehude, Cuxhaven, Bremervörde, Zeven und Lillienthal. Alle vereint in einer GmbH im Familienbesitz der Hanckens.

Die Tradition ist einer der Werte, die im Schaffen des Christoph Hancken gepflegt werden. Dass sein Vater Dr. Gerd Hancken mit 84 Jahren nach wie vor jeden Tag in der Klinik ist und Aufgaben erfüllt, "die ihm die Geschäftsleitung gibt", gehört zu diesem Geist und der Philosophie der Klinik. Deren Grundstein wurde 1949 gelegt, als Christoph Hanckens Großvater Wilhelm in den Räumen über seiner Praxis für Röntgen- und Strahlentherapie an der Harsefelder Straße in Stade eine Acht-Betten-Klinik einrichtete. Als erster Arzt in Niedersachsen führte Dr. Wilhelm Hancken 1954 die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen mit Isotopen ein. 1962 wurde von Dr. Gerd Hancken, dem Sohn und Nachfolger des Klinikgründers, das zweite Telekobalt- Bestrahlungsgerät in Niedersachsen in der Klinik in Stade aufgestellt. 1976 wurde ein Computertomograph installiert, 1988 ein Magnet-Resonanz-Tomograph - einer der ersten in Niedersachsen.

Parallel dazu wurde zuerst die Radiologie im damaligen Kreiskrankenhaus Buxtehude übernommen und später auch die Radiologie des städtischen Krankenhauses in Stade - aus heutiger Sicht war dies der Einstieg in die Zukunft mit diversen Kooperationen und der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den Fachärzten in den Kliniken, in den Praxen des benachbarten Facharztzentrums und der Klinik Dr. Hancken. Das Brustzentrum Stade-Buxtehude und das Darmzentrum Elbe Weser gelten landesweit als beispielhaft für die gute Kooperation von Medizinern aus unterschiedlichen Häusern - schon seit vielen Jahren.

Dass Dr. Christoph Hancken an dieser Entwicklung als Chef der Klinik seit 1997 einen großen Anteil hat, wissen viele, er selbst würde es nie so sagen. Die Bescheidenheit ist ausgeprägt in der Mediziner-Familie.

Aber schon der Wandel in eigener Sache macht die Entwicklung deutlich: Als Radiologe war der Klinikchef zunächst selbst im medizinischen Dienst tätig. Doch davon ist er heute weit entfernt. Das Wort "Klinik-Manager" kommt ihm dennoch nicht schnell über die Lippen.

Doch wenn dieser Christoph Hancken anlässlich der Einweihung des neuen Zentrums für Strahlentherapie - eine sieben Millionen Euro-Investition - von einem "Aufstieg in die erste Liga" spricht, lässt sich ermessen, was diese Investition bedeutet. Auf rund 500 Quadratmetern Grundfläche und zwei Stockwerken beherbergt der Neubau neben den Patienten- und Ärztezimmern auch den "Strahlenbunker", den Raum für strahlentherapeutische Geräte. Die Bezeichnung kommt nicht von ungefähr, denn um für höchstmögliche Sicherheit zu sorgen, sind die Wände an manchen Stellen des Neubaus bis zu 2,8 Meter dick aus speziellem Beton gebaut. Der Bunker gewährleistet, dass keine Strahlung nach außen gelangt.

Um Tumore genauestens abzugrenzen und Risikoorgane zu schonen, werden zur Bestrahlungsplanung in der neuen Einrichtung auch neue Kernspintomographen eingesetzt. "Die Ausstattung ist weltweit auf dem modernsten Stand der Technik", sagt der Inhaber und Manager nicht ohne Stolz. Mit dem neuen Linearbeschleuniger können Tumore noch gezielter bekämpft und die Nebenwirkungen für die Patienten verringert werden. Jetzt können sogar kleinste, vereinzelt auftretende Hirn-Metastasen punktgenau bei maximaler Schonung des umgebenden Gewebes in Stade behandelt werden.

Im nächsten Jahr wird in einen zweiten Linearbeschleuniger und in ein PET-CT investiert - "ein großer Fortschritt" sagt Hancken, denn mit diesem Hightech-Gerät lassen sich auch kleine Tumore oder Metastasen noch besser und zuverlässiger als mit den bisherigen Diagnostikgeräten CT oder MRT darstellen - zwei Millionen Euro werden zusätzlich investiert.

Das wirtschaftliche Risiko sei zu verantworten, sagt der Chef - und das ist eigentlich auch tragisch, denn die Strahlentherapie wird vorwiegend bei Krebserkrankungen eingesetzt. Und da gibt es keinen Mangel an Patienten.

Krebs als Geißel der Menschheit? "Das ist nach wie vor so", sagt Christoph Hancken. Trotz des medizinischen Fortschrittes nahmen die Krebserkrankungen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit 1990 um 30 Prozent zu. Bessere Früherkennungsmethoden und die demographische Entwicklung sind die entscheidenden Faktoren.

"Doch die Diagnose Krebs ist längst kein Todesurteil mehr", wirft Christoph Hancken ein. Die Überlebensraten bei vielen Krebsarten sind deutlich angestiegen. Zu verdanken ist dies vor allem einer breiteren und besseren Vorsorge. Denn je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, desto größer sind die Chancen, ihn zu heilen.

Der Umkehrschluss ist frappierend: Wer dem Klinikchef Christoph Hancken im Job begegnet, hat also durchaus Grund zur Freude. Und bei dieser Betrachtung hatte Christoph Hancken am Freitag auch allen Grund zum Strahlen.