Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie/Palliativmedizin

Krebstherapie I

Worum geht es bei den Tumorerkrankungen?

Man spricht von Krebs oder einem bösartigen Tumor, wenn sich Körperzellen auf Grund kleinster Veränderungen ihres Bauplans ungehindert vermehren. Sie verändern ihr Aussehen, bilden Knoten oder Geschwülste und wachsen in andere Organe hinein. Sie können Tochtergeschwülste (Metastasen) in benachbarten oder fernen Regionen des übrigen Körpers bilden. Auch die Blut- und Lymphzellen, die sich im Körper mehr oder weniger frei bewegen, können sich unkontrolliert vermehren und ebenfalls Knoten bilden, z.B. in der Milz, in den Lymphknoten, in der Haut, im Darm. Man spricht in diesem Fall von malignen Systemerkrankungen.

Krebserkrankungen werden nach dem Organ unterschieden
, aus dem heraus sie entstanden sind. Je nach Organ und Art haben sie ganz verschiedene Eigenschaften: einige vermehren sich schnell, andere langsam; einige gelangen in andere Organe und bilden dort Metastasen, andere so gut wie nie; einige lassen sich beeinflussen, andere nicht.
Dies alles gilt es vor einer Behandlung herauszufinden. Dazu werden neben der radiologischen Diagnostik fast immer Gewebeproben entnommen und in Speziallabors untersucht.

Liegen alle Untersuchungsergebnisse vor, wird ein individueller Behandlungsplan ausgearbeitet, der auf die spezielle Art und Ausbreitung der Tumorerkrankung zugeschnitten ist. Auch die Beschwerden werden berücksichtigt, die eine Geschwulst macht, wenn sie z.B. einen Nerv einklemmt oder die Lymphbahnen verlegt, sowie die Lebenssituation und das Alter der Patientin/des Patienten. Zum Beispiel behandelt man Brustkrebs vor den Wechseljahren der Frau anders als danach.

Das für alles wirksame Krebsmedikament und die einzigartig helfende Krebstherapie kann es nicht geben. Wichtig ist es, ein Team von Ärzten zu finden, das über viel Erfahrung mit all den wirksamsten Behandlungsmethoden verfügt und diese nach internationalen Standards miteinander kombiniert. Das ist in unserer Onkologischen Schwerpunktpraxis der Fall (siehe auch Krebstherapie II).

Die Krebsbehandlung mit Medikamenten (Chemo-, Hormon- und Immuntherapie) darf man sich als eine Art Reinigung des Körpers von wachstumsgestörten Zellen vorstellen. Die Wirkung der Medikamente beruht darauf, daß das unkontrollierte Wachstum der Tumorzellen gestoppt wird. Sogenannte Zytostatika (Hemmstoffe der Zellteilung) wirken auf den Stoffwechsel der Tumorzelle ein, damit sie ihre Wachstumsfähigkeit verliert und abstirbt.

Zur medikamentösen Krebstherapie gehört auch die Behandlung mit Hormonen (Wirkstoffe innerer Drüsen) oder die Immuntherapie, die mit Hilfe körpereigener Botenstoffe (z.B. Interferone, Interleukine) bzw. mit spezifischen Antikörpern (z.B. Trastuzumab, Rituximab, Bevacizumab, Bortezomib u.v.a.) direkt in die Zellregulation eingreift und das Tumorwachstum behindert.

Leider gibt es keine wirksamen Krebstherapien ohne Risiken und Nebenwirkungen, auch wenn andere das oft versprechen. Wir bemühen uns, die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten oder durch zusätzliche Medikamente auszuschalten.

"Alternative Krebstherapie"
Die Entscheidung zu einer möglicherweise belastenden Chemotherapie fällt schwer. Da liegt es nahe zu fragen, ob es nicht einfachere Alternativen gibt. In der Laienpresse und auch anderswo werden viele Behandlungsformen angepriesen, von denen behauptet wird, dass sie Krebserkrankungen heilen können und das auf natürliche, sanfte Weise. Von speziellen Diäten, von Kräuter- Behandlungen ist da die Rede, pseudotechnische Verfahren wie Sauerstoff- Krebs-Mehrschritt-Therapie werden empfohlen oder auch indische und chinesische Medizin. Wissenschaftlich verwertbare und nachvollziehbare nützliche Ergebnisse konnte allerdings keines dieser Verfahren bis heute belegen.

Die Motive, die hinter solchen Empfehlungen stehen, sind nicht immer lauter. Nicht selten wird sogar die Notlage von Krebspatienten ausgenutzt, um dubiose Geschäfte zu machen. Seien Sie bei als Wundermittel angepriesenen Medikamenten oder Verfahren skeptisch und fragen Sie uns bzw. Ihren behandelnden Arzt dazu. Auf keinen Fall sollten Sie eine erkennbar erfolgreiche Chemotherapie zugunsten solcher Methoden abbrechen!

Eine kurze Information über sogenannte alternative Krebsmedizin erhalten Sie beim Krebsinformationsdienst (KID): [download hier...].

Die Anwendung der medikamentösen Krebstherapie erfolgt in der Regel mittels intravenöser Injektionen oder Infusionen (Spritze und/oder Dauertropf in die Vene). Die Venen am Arm sind für die Infusion oft risikoreich oder gar nicht geeignet, so dass ein "zentralvenöser Zugang" gebraucht wird. Dafür wird entweder ein sogenannter "Jugularis-Katheter" oder ein verdeckt im Körper implantiertes PORT-System verwendet. Das PORT-System verbleibt während der gesamten Therapiezeit (ggf. über Monate und Jahre) im Körper, ist immer problemlos erreichbar, erleichtert erheblich die Anwedung von intravenösen Infusionen und Transfusionen, reduziert das Risiko einer Venen-Entzündung und ist Voraussetzung für den Einsatz von tragbaren Infusionspumpen.