Nuklearmedizin - Hirnperfusionsszintigraphie (Demenzdiagnostik)

Hirnperfusionsszintigraphie (Demenzdiagnostik)

Morbus Alzheimer

Im Jahr 1907 beschrieb der Münchner Psychiater Alois Alzheimer (1864-1915) eine Erkrankung des Gehirns, die hauptsächlich Menschen fortgeschrittenen Alters betrifft und mit einem zunehmenden Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergeht (Alzheimer 1907). Im Gehirn dieser Patienten kommt es neben einem Nervenzellverlust zur Ablagerung von Eiweißspaltprodukten. Dieses charakteristische Krankheitsbild wird seit 1910 als Morbus Alzheimer bezeichnet. Bei der nicht erblichen Form manifestieren sich die ersten Symptome erst nach Erreichen des 65. Lebensjahr. Das Risiko an Alzheimer zu erkranken verdoppelt sich ab dem 65. Lebensjahr circa alle 5 Jahre.

Normales Hirn (links), Hirnatrophie (rechts)
Die Abbildung zeigt links den Vergleich zwischen normaler Hirnanatomie und einer Demenz im fortgeschrittenen Stadium.
Rechts: Tabelle der altersabhängigen Erkrankungshäufigkeit.
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Die Alzheimer-Demenz stellt die häufigste Form der Demenzerkrankungen dar (circa 50 bis 70 Prozent aller Fälle). In Industrieländern gehört die Alzheimer-Erkrankung zu den vier häufigsten Todesursachen. Der Verlauf einer Demenz des Alzheimer Typs umfasst drei Stadien mit unterschiedlich ausgeprägten Demenzformen:

  • Am Anfang leidet das Kurzzeitgedächnis, Betroffene sind vergesslich, verlegen oft Gegenstände, es fällt Ihnen schwer sich zu konzentrieren. Mitunter fallen ihnen Wörter für alltägliche Gegenstände nicht mehr ein.
  • Mit Fortschreiten der Erkrankung kommt es zum Abbau des Langzeitgedächtnisses. Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte verblassen. Auch nahe Angehörige werden irgendwann nicht mehr erkannt.
  • Im späten Stadium ist der Patient bei allen Tätigkeiten auf Hilfe angewiesen und baut auch körperlich stark ab.
Oberflächendarstellung der Hirndurchblutung und sogenannte
Z-Score-Darstellung bei einem Alzheimer Patient,
Minderdurchblutungen mit Pfeil markiert (blaue Areale)

Oberflächendarstellung der Hirndurchblutung und sogenannte Z-Score-Darstellung bei einem Alzheimer Patient, Minderdurchblutungen mit Pfeil markiert (blaue Areale).
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Neben Alzheimer gibt es noch viele weitere Demenzformen, für die teilweise andere Verläufe und Demenzsyndrome charakteristisch sind. Wenn Gedächtnisstörungen oder Orientierungsstörungen länger anhalten, sollte zunächst der Hausarzt konsultiert werden, der eine Überweisung zum Neurologen ausstellen kann. Dort können spezielle Demenz-Tests Klarheit bringen. Eine frühe Diagnose ist wichtig. In der Frühphase lassen sich die unterschiedlichen Demenzformen oft nur schwer von einander abgrenzen. Ein Hirnperfusionsszintigramm kann die Diagnoseerhebung im Einzelfall erleichtern.

Oberflächendarstellung der Hirndurchblutung eines Patienten mit
Verdacht auf eine Alzheimer Erkrankung
Oberflächendarstellung der Hirndurchblutung eines Patienten mit Verdacht auf eine Alzheimer Erkrankung.
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Was ist eine Hirnperfusionsszintigraphie?

Die Hirnperfusionsszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Methode zur Beurteilung der regionalen Hirndurchblutung. Die neuronale Aktivität bzw. die Funktionseinbußen des Gehirns sind eng an die regionale Durchblutung und den Stoffwechsel gekoppelt. Fast alle Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) zeichnen sich durch eine gestörte Hirndurchblutung aus. Die verschiedenen Demenzerkrankungen führen in unterschiedlichen Hirnregionen zu Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen. Anhand dieser regionalen Auffälligkeiten kann eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Demenzformen gelingen.

Wie läuft die Untersuchung ab?
Von der Untersuchungsanmeldung bis zum Verlassen der Klinik sollten Sie etwa drei bis vier Stunden einplanen. Vor Beginn der Untersuchung wird Ihnen ein Venenzugang in den Arm gelegt. Nach einer kurzen Ruhezeit (15 Minuten) in einem abgedunkelten Raum wird Ihnen eine schwach radioaktive Substanz in die Armvene injiziert. Nach der Injektion ist eine entspannte Lagerung von Armen und Beinen sehr wichtig, damit die für die Bewegung zuständigen Hirnareale nicht aktivert werden. Nach weiteren 15 Minuten werden dann spezielle nuklearmedizinische Schnittbildaufnahmen mit einer Gamma-Kamera angefertigt werden. Die Kamera rotiert circa 45 Minuten langsam um Ihren Kopf, während Sie möglichst ruhig liegen bleiben. Bei dem Gerät handelt es sich nicht um eine geschlossene Röhre. Daher wird diese Untersuchungsmethode auch von Patienten, die unter Platzangst leiden, gut toleriert.

Ist eine spezielle Vorbereitung erforderlich?

Sie brauchen nicht nüchtern zur Untersuchung erscheinen. Am Untersuchungstag sollte jedoch kein Kaffee oder schwarzer Tee getrunken werden, ferner sollte vor der Untersuchung nicht geraucht werden.

Gibt es Nebenwirkungen?
Nebenwirkungen (wie Schwindel, Hitzegefühl, Kopfschmerzen) und allergische Reaktionen sind in der Regel nicht zu erwarten.

Wann darf die Untersuchung nicht durchgeführt werden?
Bei Vorliegen einer Schwangerschaft.
Bei stillenden Müttern kann die Untersuchung grundsätzlich durchgeführt werden, sofern eine Stillpause von mindesten 2 Tagen eingehalten wird.


Werden die Kosten der Hirnperfusionsszintigraphie-Untersuchung von den Krankenkassen übernommen?
Ja, die Hirnperfusionsszintigraphie ist eine Regelleistung aller gesetzlichen und privaten Krankenkassen.